Nomádva

č.3 Šílenství

Rozhovor se současnou německou výtvarnicí Gabriele Pütz

Dílo paní Gabriele jsem objevila díky shodě šťastných okolností na internetových stránkách The Saatchi Gallery při vyhledávání odkazů k heslu “The Danger of Words“, což je především název pozoruhodné knihy z pera psychiatra a mimo jiné také Wittgensteinova žáka a blízkého přítele, Maurice Druryho. Proč se Gabreile Pütz tento titul rozhodla použít pro pojmenování své zatím poslední výstavy Die Gefahr der Worte (Bonn a Bad Honnef, 2006) sestavené převážně z objektů vtipně interpretujících různé slavné filosofické koncepty a události (od zkorodované Occamovy břitvy přes Spinozovy keramické čočky až po Wittgensteinovu grafickou pozůstalost na pivních táccích), to se dozvíte v následujícím rozhovoru, který paní Gabriele poskytla exkluzivně pro Diotimin koutek, za což jí patří náš velký dík. (Germanofilním čtenářům se předem omlouvám za svou poněkud kostrbatou němčinu


Warum haben Sie sich  überhaupt entschieden sich mit philosophischen Konzepten  zu befassen und was war die Hauptidee Ihres Projektes „Die Gefahr der Worte“? 

 

Als Künstler und Mensch versuche ich, die Dinge, die mir begegnen, reflektierend wahr- und aufzunehmen, sie mal "beim Wort" zu nehmen, mit dem man sie belegt, mal mich ihnen von einer anderen Seite als der gewohnten zu nähern. Manchmal genügt eine kleine Verschiebung des Blickwinkels, um etwas Bekanntes ganz neu und anders zu sehen oder Paradoxien aufzudecken. Genau so spannend ist es, sich auf den Feldern der Philosophie zu bewegen und philosophische Inhalte und haptische Bildlichkeit zu kombinieren.

 

Anstoß für die Arbeit "Die Gefahr der Worte" war ein Foto, das ich in einer Bildbiographie Wittgensteins fand. Es zeigt die Kammer Wittgensteins in einem Studentenwohnheim in Cambridge und den Ventilator, der Wittgenstein neben dem gewohnten Zweck dazu diente, die störenden Geräusche der Studenten zu übertönen. Ich hatte die Idee, diesen Gegenstand aus dem Besitz des Philosophen zu nehmen und ihn mit Aspekten aus seinem Werk oder über sein Werk zu verknüpfen und in eine anschauliche, sinnlich wahrnehmbare Situation zu übersetzen. Dabei stieß ich auf den Titel des Buches von Drury über Wittgenstein. Ich schrieb die vier Worte des Titels auf die vier Rotorblätter, von denen ich nur eines montierte und die übrigen drei wie abgefallene Blütenblätter einer Blume darunter legte. Gleichzeitig fühlte ich mich an das Kinder- oder Orakelspiel erinnert, wobei man die Blütenblätter einer Blume unter dem Aufsagen von "Er (Sie) liebt mich, er (sie) liebt mich nicht...." auszupft. Auch darin liegt ja eine Gefahr der Worte.

 

Ich liebe es, mit Dingen zu spielen und meine Arbeiten in multiplen Bedeutungsfeldern anzusiedeln.

 

Die Gefahr der geschriebenen und gesprochenen Worte spielt in unser aller Alltag ja eine große Rolle. Wir haben sehr oft mit dem Problem zu kämpfen, nicht die richtigen Worte zu finden oder geschriebene und gesprochene Worte nicht mehr rückgängig machen oder gegen passendere auswechseln zu können.

In meinen Arbeiten habe ich vielfach Text und Objekt verknüpft. Eine Reihe von philosophischen und anderen Werken in der Ausstellung zeigen dies. Von daher fand ich die Titulierung "Die Gefahr der Worte" auch für die Ausstellung insgesamt passend.

 

Bei der Spinoza-Installation habe ich ebenfalls einen Gegenstand aus dem alltäglichen Leben eines Philosophen genommen, nämlich die Linse. Baruch de Spinoza verdiente seinen Lebensunterhalt mit dem Schleifen von optischen Linsen. Ich habe, um ein Tischchen gruppiert, 21 überdimensionierte Linsen mit wesentlichen Begriffen aus dem Hauptwerk des Philosophen, der "Ethik - in geometrischer Weise behandelt in fünf Teilen" beschriftet. Neben dem Hinweis auf den Brotberuf des Philosophen könnte man durch die rostfarbene Oberfläche der Linsen auch an das bekannte Grundnahrungsmittel erinnert sein oder etwa an Tretminen - folglich ginge Gefahr von ihnen aus. Mancher mag auch an hilfreiche medizinische Pillen erinnert sein. Die Beschriftung dieser schwer verdaulichen Pillen mit bedeutungsschweren Begriffen wie "Schaffende" bzw. "Geschaffene Natur, "Wesen" und "Denken", "Vollkommenheit", "Freiheit" und "Notwendigkeit" - um nur einige zu nennen -, eröffnet ein weites philosophisches, moralisches und religiöses Assoziationsfeld, das dem Betrachter in einer Art homöopathischer Dosen zur weiteren, individuellen Verarbeitung verabreicht wird.

 

Es ist sehr sichtbar, dass Sie ein besonderes Interesse an Ludwig Wittgenstein finden, können Sie denn etwas über Ihre Beziehung zu Wittgensteins Denken sagen?

 

Wittgenstein fasziniert mich in seinem Ringen um Klarheit, um Wahrhaftigkeit. Er interessiert mich nicht nur als Philosoph, sondern auch als Mensch, mit seinem Zweifeln und Verzweifeln und seinem Verhältnis zum Glauben.

In dem Werk "Sprachkäfig" habe ich Leinwand-Schriftbänder mit folgenden Texten Wittgensteins beschriftet:

 

   „... Es trieb mich, gegen die Grenzen der Sprache anzurennen - wie es, glaube ich, alle Menschen getrieben hat, die jemals über Ethik oder Religion zu schreiben oder zu sprechen versucht haben. Dieses Anrennen gegen die Grenze unseres Käfigs ist völlig und vollkommen hoffnungslos. Insofern es dem Wunsch entspringt, etwas über den letzten Sinn des Lebens zu sagen, über das absolut Gute und das absolut Wertvolle, kann die Ethik keine Wissenschaft sein. Was sie sagt, fügt unserem Wissen in keinem Sinn etwas hinzu. Aber sie ist ein Dokument einer Tendenz im Menschen, die hochzuachten ich nicht umhin kann und über die ich mich um keinen Preis lustig machen möchte.“

 

„Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt.“

 

Die Texte berühren in mir diese Stelle, dieses Gefühl, nah dran zu sein (an etwas, was sich eben  nicht aussprechen läßt, aber zeigen kann) und doch nicht über diese Grenze hinaus zu können. Mir kommt hier auch eine Parabel von Franz Kafka, meinem Lieblingsschriftsteller,  in den Sinn; sie trägt den Titel "Der Kreisel"* und berührt mich auf ähnliche Weise.

Vielleicht ist die Kunst diesem "Was-sich-zeigen-muß", von dem Wittgenstein spricht, oder wenigstens dem "Darauf-hin-deuten" näher als die Philosophie, weil sie unmittelbar anschaulich macht, im Augenblick.

 

Ich habe bisher fünf Arbeiten zu Wittgenstein gemacht. Weitere harren noch der Ausführung, zum Beispiel ein Objekt, dass die Aussage Wittgensteins auf die Frage, was das Ziel seiner Philosophie sei, aufgreift: "Der Fliege den Ausweg aus dem Fliegenglas zu zeigen."

 

Sie haben den Titel „Die Gefahr der Worte“ für Ihr Projekt ausgewählt, der auf ein nicht besonders bekanntes Buch von Wittgenstein’s Schüler M. Drury verweist. Ich möchte wissen, warum Sie gerade diesen Titel von Wittgenstein entlehnten und ob das Buch selbst für Sie inspirierend gewesen ist.

 

Ich bin auf das Buch von M. Drury durch Sekundärliteratur aufmerksam geworden. Bisher ist es mir nicht gelungen, das Buch in Besitz zu bekommen. So ist mehr der Titel als der Inhalt des Buches für mich inspirierend gewesen.

 

Haben Sie Reaktionen zu diesem Projekt von professionellen Philosophen erhalten?

 

Bei der Vorbereitung meiner Ausstellung die "Gefahr der Worte" konnte ich Herrn Dr. Andreas Gelhard** für meine Arbeiten erwärmen und ihn für den Textbeitrag zum Ausstellungskatalog gewinnen. Darüber hinaus habe ich Reaktionen von professionellen Philosophen während oder nach der Ausstellung nicht erhalten.

 

Ich habe den Eindruck, dass Sie in ihren Werken mit Konzepten und Philosophen einerseitz spielen und Spass machen, andererseits finde ich jedoch, dass Sie ihnen zugleich eine Ehre erweisen. Diese spiellustige Annerkennung scheint mir sehr typisch für Frauen und deren Einstellung zur Philosophie zu sein.  Was denken Sie darüber?

 

Ob es typisch ist, weiß ich nicht. Aber es ist richtig, dass ich sehr gerne spielerisch mit den Dingen und eben auch mit philosophischen Konzepten umgehe und ich hoffe sehr, dass es mir gelingt, dies auf eine ehrende Weise zu tun. Ich möchte die Philosophen, mit denen ich mich beschäftige, so auch wieder neu ins Blickfeld setzen und zur weiteren Auseinandersetzung mit ihnen anregen.

 

___________________

 

*        Franz Kafka:

Der Kreisel

Ein Philosoph trieb sich immer dort herum, wo Kinder spielten. Und sah er einen Jungen, der einen Kreisel hatte, so lauerte er schon. Kaum war der Kreisel in Drehung, verfolgte ihn der Philosoph, um ihn zu fangen. Dass die Kinder lärmten und ihn von ihrem Spielzeug abzuhalten suchten, kümmerte ihn nicht, hatte er den Kreisel, solange er sich noch drehte, gefangen, war er glücklich, aber nur einen Augenblick, dann warf er ihn zu Boden und ging fort. Er glaubte nämlich, die Erkenntnis jeder Kleinigkeit, also zum Beispiel auch eines sich drehenden Kreisels, genüge zur Erkenntnis des Allgemeinen. Darum beschäftigte er sich nicht mit den großen Problemen, das schien ihm unökonomisch. War die kleinste Kleinigkeit wirklich erkannt, dann war alles erkannt, deshalb beschäftigte er sich nur mit dem sich drehenden Kreisel. Und immer wenn die Vorbereitungen zum Drehen des Kreisels gemacht wurden, hatte er Hoffnung, nun werde es gelingen, und drehte sich der Kreisel, wurde ihm im atemlosen Laufen nach ihm die Hoffnung zur Gewissheit, hielt er aber dann das dumme Holzstück in der Hand, wurde ihm übel und das Geschrei der Kinder, das er bisher nicht gehört hatte und das ihm jetzt plötzlich in die Ohren fuhr, jagte ihn fort, er taumelte wie ein Kreisel unter einer ungeschickten Peitsche.“

 

**     Veröffentlichungen von Dr. Andreas Gelhard u.a.:

·    Levinas. Grundwissen Philosophie, Reclam Verlag Leipzig, 2005

·    Das Denken des Unmöglichen. Sprache, Tod und Inspiration in den Schriften Maurice
   Blanchots, Wilhelm Fink Verlag München, 2005

·    Stillstellen. Medien - Aufzeichnung - Zeit (Andreas Gelhard, Ulf Schmidt und Tanja Schultz),      
   Edition Argus Verlag Ulrich Schmitt, Schliengen, 2004

 

 

Gabriele Pütz (nar. 1949) vystudovala sochařství a keramiku mimo jiné u Eduarda Paolozziho a za své dílo obdržela mnoho ocenění jak německých tak mezinárodních. Její. Od roku 1998 umělkyně pracuje na projektu Corporate Identity, v němž se na pozadí problémů lékařství a genetiky zabývá tématem lidské konečnosti.

 

sestavila Tereza Schmoranz

 

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